Redebeitrag zur 08. März Demo 2018

Redebeitrag zur 08. März Demo 2018

Auch wir haben auf der “My Body My Choice, Our Riots Our Voice” Demo zum Frauen*-Kampftag in Frankfurt einen Redebeitrag gehalten, um mit einem feministischen Startsignal in die “radikal solidarisch!”-Kampagne zu gehen. Hier sind der Audiomitschnitt und der Beitrag in schriftlicher Form.

 

 

Hallo ihr Lieben,

Wir sind Menschen, die bei Antifa United Frankfurt aktiv sind und wir freuen uns, hier einen Redebeitrag halten zu dürfen. My body – my choice – our riots – our voice. Randale und Aufstand haben in der (queeren) feministischen Bewegung, gerade schon in der Historie des 08. März, eine große Bedeutung gehabt, auch wenn sie heutzutage gerne mal verschleiert wird.
Der Frauen*-Kampftag (oder auch gerne der „internationale Frauentag” genannt beim Aussprechen die Ironie kennzeichnen), wurde anfangs des 20. Jahrhunderts im Rahmen kommunistisch-feministischer Kämpfe für das Frauenwahlrecht zelebriert. Zuerst ohne festes Datum wurde er aufgrund der Ereignisse zu Anfang der russischen Februarrevolution 1917 auf den 08. März gelegt: Arbeiter*innen und Soldatenfrauen gingen an diesem Tag in Petrograd erst für Brot auf die Strasse und randalierten bald für die Abdankung des Zaren und ein Ende des Krieges. Auch in der neueren Geschichte der queeren Bewegung, war der Riot ein wichtiger Ausgangspunkt: Über 70 Jahre nach dem Ausbruch und dem schlussendlichen Scheitern der russischen Revolution kämpften in New York, aus dem Stonewall Inn heraus, die am meisten marginalisierten Teile der queeren Bewegung gemeinsam gegen die Polizei. Für ein Ende der Diskriminierung von LGBT* und ökonomischer Unterdrückung. Dieser weitere Aufstand wird auch heute noch gerne als Beginn der modernen LGBT*-Bewegung betrachtet.
Zusätzlich zur radikalen historischen Bedeutung des 08. März ist für uns der heutige Tag wichtig, weil wir ihn als Startpunkt für unsere neue Kampagne gewählt haben. Das Ganze heißt „radikal solidarisch!“, beginnt heute am Frauen*kampftag mit einem feministischen Signal und endet am 01. Mai. Durch die Verknüpfung beider, für die radikale Linke wichtiger Daten, setzen wir zwei Impulse als Grundpfeiler der radikal solidarischen Zukunft, die wir uns vorstellen.
Um mehr zu der Kampagne zu erklären, werde wir einige Teile des Aufrufs vortragen und im Folgenden noch etwas über die besondere Verknüpfung von Solidarität in feministischen Kontexten sagen.
“Mit der Zukunft, die sich abzeichnet, gibt es keine Verständigung, sie ist nur in dem Maß die unsere, wie wir uns gegen sie auflehnen.” Unsere Zukunft dagegen wird radikal solidarisch sein. Gegen den grauen Horizont der bestehenden Welt setzen wir unsere bunte Vision. Zugleich drängt uns die triste Realität zu einer gewissen Radikalität, die auf den ersten Blick nicht zu dieser Vision zu passen scheint.“
“Denn ein erstrebenswertes Leben ist für uns ein solidarisches, d.h. eines, das von freiwilligen Akten der Hilfe und Unterstützung geprägt ist.
Radikale Solidarität drückt diesen Widerspruch aus, zwischen unserer Perspektive und einer falsch eingerichteten Welt. Wir können ihn nicht lösen, indem wir uns vor der Welt zurückziehen und selbst wenn wir wollten, würde es uns nicht gelingen. Statt jedoch wie letztes Jahr bei der „Make Racists Afraid Again“-Kampagne den Schwerpunkt aufs Einschüchtern von Rassist*innen zu legen, möchten wir diesen Frühling mit euch die ersten Knospen einer besseren Welt in den Mittelpunkt unserer Handlungen stellen. Gemeinsam sorgen wir ohnehin jeden Tag dafür, dass wir irgendwie klar kommen; lasst uns für zwei Monate unsere Solidarität zusammen zelebrieren!“

Grade weil die kritische Auseinandersetzung von Cis-Männern mit Männlichkeit schon immer zu kurz gekommen ist und auch heute noch unzureichend geführt wird ist die Wichtigkeit von Solidarität unter Frauen* besonders herauszustellen.
Solidarität heißt für uns als flti*-Menschen, uns im alltäglichen Kampf gegen Patriarchat, Sexismus und Heteronormativität sowie Trans- und Interfeindlichkeit zu unterstützen, um gemeinsame Positionen und Perspektiven sowie Strategien gegen Unterdrückungverhältnisse zu entwickeln.
Dies ist essenziell in einer Gesellschaft und einer Szene, in der Positionen von flti*-Personen immer noch unterrepräsentiert und an den Rand gedrängt sind und der sexistische Normalzustand herrscht. Solidarität untereinander gibt uns die Möglichkeit, unser Umfeld sowie die Gesamtgesellschaft zu kritisieren, sexistische Strukturen und Verhaltensmuster anzuprangern und immer wieder auch in linken und emanzipatorischen Kontexten Reflektionen über die eigene Verstrickung in Herrschaftsverhältnisse anzustoßen.
Wichtig zu beachten ist auch, dass heterosexuelle Cis-Männer seit Jahren sehr erfolgreich von Rechts,von der Esoterik über die konservative Parteienlandschaft bis hin zum Neonazismus, umworben werden (und häufig auch unter dem Zusammenspiel von unterschiedlichen Formen von Unterdrückungen des Patriarchats zu leiden haben → streichen? Ich wäre dafür! grünertee)., Gerade aus diesen Gründen muss Antifa auch ein feministischer Kampf sein und wir finden es unabdingbar kritische Thematisierungen von Männlichkeit, grade von Maennern, wie sie in den 70ern unter anderem im profeministischen Maennerrundbrief bundesweit geführt wurde, in aktuellerer Version wieder aufzugreifen um ein Gegengewicht zu rechter und maskulinistischer Identitätspolitik zu schaffen und um uns zu einem gemeinsamen feministischen Kampf zusammenzuschließen.

“In einer gesamtgesellschaftlichen autoritären Zuspitzung, die auch teilweise der Schwäche progressiver Bewegungen geschuldet ist, möchten wir mit euch gemeinsam zeigen, dass wir noch da sind, dass wir weiter für ein solidarisches Zusammenleben jenseits von Patriarchat, Kapital, Nation und Staat kämpfen werden. Wir möchten die Monate März und April als Ort des Zusammenkommens, des Austauschs und auch des Streits anbieten. Wir werden in unterschiedlichen Konstellationen unterschiedliche Veranstaltungs- und Aktionsformen organisieren, aber die Kampagne lebt von der Beteiligung Aller, die etwas zu ihr beitragen. Bezieht euch im Rahmen dessen, was ihr eh vorhattet auf die Kampagne oder überlegt euch einen Beitrag. Machen wir den Zusammenhang unserer Kämpfe sichtbar, indem wir uns wechselseitig unterstützen. Wir versprechen uns von der Bündelung unserer Initiativen nicht zuletzt einen Effekt, den wir je vereinzelt niemals erreichen könnten. Wir laden euch ein, auch als Einzelpersonen oder Freundeskreise, an Aktionen teilzunehmen oder Aktionen zu organisieren, an denen Andere teilnehmen können. Haltet die Augen und Ohren offen für Ankündigungen und werdet aktiv. Lasst uns zusammen wieder eine Perspektive darauf entwickeln, wie es besser werden kann, als es je war! Suchen wir gemeinsam nach der Praxis, deren Vergnügungen und Früchte wir so sehr genießen wollen, dass wir bereit sind, die damit verbundenen Risiken auf uns zu nehmen. Raus aus der Defensive! Für die soziale Befreiung, für den Kommunismus, für ein gutes Leben, für den Feminismus! Radikale Solidarität jetzt!”

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