Reflektion zur Kampagne zur „make racists afraid again“

Reflektion zur Kampagne zur „make racists afraid again“

Den Aktionsmonat, welchen wir für Februar unter dem Motto make racists afraid again ausgerufen haben, ist vorbei. Daher möchten wir im folgenden Text einige Schlüsse ziehen und über Perspektiven nachdenken.

Als Reaktion auf das Jahr 2016 wie auch die vorherigen Jahre mit zunehmenden Naziaktivitäten und deutlichem Rechtsruck beschlossen wir Ende des Jahres 2016, dass wir in die Offensive gehen müssen und nicht länger nur das Konzept der Feuerwehrpolitik betreiben möchten. Schnell kristallisierte sich die Idee eines offenen Aktionsmonats heraus, zu dem wir als Plattform Antifa United Frankfurt in Zusammenarbeit mit verschiedensten Gruppen & Einzelpersonen aufriefen. Bereits einige Wochen später gingen wir mit unserem Aufruf im Januar 2017 an die Öffentlichkeit und erklärten, was unserer Meinung nach die Stoßrichtung für die kommenden Wochen sein sollte. Neben dem Aufruf, nach eigenem Ermessen aktiv zu werden, organisierten wir u.a (Mobi-)Vorträge, Workshops und einen Filmabend, bei denen wir uns sehr über die große Resonanz freuten! Eine Liste aller weiteren Aktionen, die im Kontext des Aktionsmonat auftauchten, bei welchem wir uns besonders über Aktionen weit über das Rhein-Main Gebiet hinaus gefreut haben, findet ihr hier: https://linksunten.indymedia.org/de/node/205062.

Ziemlich schnell war das Motto in der Öffentlichkeit präsent, da nicht nur vorangekündigte Veranstaltungen liefen, sondern auch klandestin und autonom Ziele markiert oder angegriffen wurden. Dies begrüßen wir besonders, da dieser Aspekt antifaschistischer Praxis oft nicht kontinuierlich betrieben wird. Dies ist zwar einerseits der relativ geringen Dichte organisierter Nazis in den antifaschistischen Zentren geschuldet, aber auch der Neuorientierung vonGruppen und Einzelperson unsererseits und dem gesellschaftlichen Wandel. Im Laufe der letzten Jahre ist es bundesweit wie auch in Frankfurt zu einer größeren Akzeptanz von rechtsradikaler Ideologie im gesellschaftlichen Diskurs gekommen. Nicht erst seit PEGIDA und Konsorten fand eine Normalisierung von menschenverachtendem Gedankengut statt, die sich auch im Erfolg der AFD oder in der breiten Akzeptanz der rassistischen Migrationspolitik der großen Parteien widerspiegelt. Nicht mehr nur klassische Stiefelnazis sind zu bekämpfen, sondern auch die Wirkmächtigkeit von AfD_Funktionär*innen. Dieser Veränderung hat sich unsere Praxis noch nicht vollends angepasst (So stößt etwa das Konzept von Outings bei Parlamentarier*innen an seine Grenzen), doch in Lethargie und Ohnmacht zu verharren, ist schließlich auch keine Lösung. Nazis – seien es organisierte autonome Nationalist*innen oder Parlamentarier*innen der AfD – das Leben so schwer wie möglich zu machen, ist immerhin ein Anfang. Deshalb begrüßen wir auch weiterhin (wie wir schon im Aufruf geschrieben haben) „jeden Nazi, der in seinem Umfeld geoutet wird, jede AfD-Veranstaltung, die nicht stattfinden kann und jede*n Rassist*in, die sich nicht mehr in ihre Stammkneipe traut.“ Jedoch gilt es wirkungsvolle neue Konzepte gegen die sogenannte „Neue Rechte“ zu entwickeln.

Ein voller Erfolg war die kontinuierliche und koordinierte Pressearbeit, die es uns ermöglichte, unsere Inhalte vielfach in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Über unsere Blase von Facebook und Indymedia hinaus konnten wir in großen Frankfurter Zeitungen – relativ vorurteilsfrei und ausführlich – über militanten Antifaschismus und die Konzepte (hinter) antifaschistischer Praxis sprechen. Ohne inhaltiche Zugeständnisse ermöglicht eine aktive Öffentlichkeitsarbeit, dass Aktionen und deren Sinn und Notwendigkeit besser und in einer größeren Öffentlichkeit vermittelt werden können. Selbstverständlich passieren dabei Fehler, so danken wir der Polizei explizit nicht dafür, dass sie uns ausnahmsweise mal in Ruhe demonstrieren ließ – dies ist unser verdammtes ‚Recht‘.Uns ist jedoch aufgefallen, dass die Bullen vermehrt versucht haben, insbesondere auf Abfotografieren der Teilnehmer*innen statt auf direkte Repression zu setzen, um Informationen zu sammeln. Diese Entwicklung werden wir weiterhin kritisch beobachten und gegebenenfalls angemessen darauf reagieren. Wir freuen uns über die Rückmeldungen vieler Genos*innen, dass die Demo – anders als in den Medien dargestellt – nicht als männlich dominiert empfunden wurde.

Auch mit der Demo als „Gipfel“ der Kampagne sind wir zufrieden. Es haben sich im Verlauf viele Leute angeschlossen und es konnten große Mengen Flyer verteilt werden. Uns ist klar, dass Demonstrationen keine rechten Strukturen zerschlagen, aber sie dienen als Kristalisationspunkte nach innen und sorgen letztendlich dafür, dass die breite Öffentlichkeit unsere Inhalte überhaupt wahrnimmt. Ohne Demonstration wären die ganzen nächtlichen Aktionen auf Indymedia verpufft. Auch für Menschen, die nicht seit Jahren in autonomen Zusammenhängen Politik machen, sind Demonstrationen ein Punkt, bei welchem sie erste praktische Erfahrungen sammeln können. Besonders mit Blick darauf und unserem Ziel, die Demo tatsächlich zu laufen, begrüßen wir den reibungslosen Ablauf. Dieser ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass Konfrontationen mit der Polizei ausbleiben, wenn sie nicht in der Nähe ist. Der Ausdruck der Demo war geschlossen und kämpferisch, hat aber auch ermöglicht, dass Menschen sich solidarisch anschließen konnten.

Allerdings reicht es bei weitem nicht, auf Demos zu gehen. Wenn über 1.000 Menschen an der Demo teilnehmen, ist das ein Erfolg. Aber wir haben keine hinreichenden Antworten darauf, wie wir Menschen dazu bringen, sich zu organisieren und selbst aktiv zu werden. Fernab von zentralistischen Organisationsformen ist es schwierig, den richtigen Weg zu finden, Leute zu ermutigen sich selber Strukturen zu schaffen oder ihnen zu ermöglichen, sich in die bestehenden Strukturen einzubringen. Darüber hinaus müssen wir als Struktur aber auch die organisierte Linke bundesweit bedenken und uns fragen, wie eine sinnvolle Zusammenarbeit aussehen kann, um dem Rechtsruck etwas entgegen setzen zu können. Das schließt mit ein, Menschen zu ermächtigen sich an der Zusammenarbeit zu beteiligen. Die Spannung zwischen einer Ablehnung zentralistischer Organisationsformen und der Notwendigkeit gemeinsam Handeln zu können, muss aktiv bearbeitet werden.

Die Zukunft droht nicht rosiger zu werden, weshalb es umso wichtiger ist, nicht nur zu reagieren, sondern eigene Ideen und Inhalte wieder durch selbstbestimmte Anlässe in den Vordergrund zu rücken und Perspektiven für eine befreite Gesellschaft zu erzeugen.

Auch wenn der Februar vorbei ist, steht das Motto make racists afraid again weiter auf der Tagesordnung. Schon jetzt feststehende Termine, um dies in die Tat umzusetzen, sind der 22. und 23. April in Köln, der 22. April in Wetzlar und G20 in Hamburg. Auch der Bundestagswahlkampf steht an und bietet viele Möglichkeiten antifaschistscher Aktion.

Wir sehen uns auf der Straße!

 

Nazidemo am 22.04.2017 in Wetzlar verhindern!

AfD Parteitag am 22./23.04.2017 in Köln blockieren!

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