Wir interviewen uns selbst – Antifa United stellt sich vor!

Wir interviewen uns selbst – Antifa United stellt sich vor!

Hallo Antifa United Frankfurt, stellt euch doch mal kurz vor!

Federico: Wir sind eine linksradikale und antifaschistische Plattform, die in Frankfurt und Umgebung gemeinsam mit vielen anderen politisch aktiv ist und neue Menschen in politische Prozesse einbinden will. Dabei geht es mal gegen die AfD, türkische Faschist*innen oder gegen Nazistrukturen in Frankfurt und Umland. Aber auch der Kampf gegen faschistische Strukturen im Umland und die Vernetzung von Genoss*innen um Frankfurt stehen auf unserer Liste.

Sozan: Während sich der Kommunalwahlkampf im Frühjahr 2016 anbot, um gegen AfD und Co.  aktiv zu werden, gilt es nun verstärkt, die politische Mitte, die durch Abschiebungen, Abschottung und Aufrüstung menschenverachtende Politik betreibt, ins Auge zu nehmen. Hierbei versuchen wir, den Diskurs über Themen wie Migration in die Richtung einer solidarischen Perspektive als Alternative zu den bestehenden Verhältnissen zu beeinflussen. Gleichzeitig haben viele von uns ihre ersten politischen Erfahrungen in den Aktionen bei Blockupy und PEGIDA gesammelt – in welcher Form Antikapitalismus und Revolution bei Antifa United eine Rolle spielen, steht gerade noch zur Debatte. Unter anderem im Zuge unserer Mobilisierung für einen antikapitalistischen Block auf der Anti-TTIP Demo am 17.September in Frankfurt. Damit ist ein Anfang getan, die unterschiedlichen Positionen zur Thematik sind auf dem Tisch und können diskutiert werden.

 

Das klingt ja eigentlich mehr nach einer politischen Gruppe – was genau versteht ihr denn unter „Plattform“?

Federico: Im Gegensatz zur geschlossenen politischen Gruppe ist es unser Anspruch, alle auf der Basis eines linksradikalen Grundkonsens an einen Tisch zu bringen. AUF fungiert dabei als „heißer Draht“ zwischen Einzelpersonen, organisierten Bezugsgruppen und „offiziellen“ politischen Gruppen. Die Idee dabei ist, dass ohne langes Rumgelaber losgelegt werden kann. Beispielweise hatten wir in den letzten Jahren oft die Situation, dass kurzfristig Proteste organisiert werden mussten – gegen AfD Veranstaltungen, antifeministische Abtreibungsgegner*innen oder einen Merkel-Besuch. Dabei warteten oft alle auf Ansagen der „großen Gruppen“, die selbst kurzfristig nicht die Kapazitäten hatten, noch mal selbstständig eine Aktion zu organisieren. Diese Lücke will AUF als Plattform füllen, in der alle sich alle Interessierten zusammenfinden können.

 

Was habt ihr bis jetzt so gemacht?

Sozan: Unsere ersten größeren Aktionen waren die Proteste gegen die AfD-Veranstaltung in der Nordweststadt sowie einige grundlegende Workshops mit Tipps zum Verhalten auf einer Demo, eine Veranstaltung zum Thema „Was tun wenn`s brennt?“ und eine Einführung in die Staatskritik. Gemeinsam waren wir beispielsweise in Wetzlar, Hanau und Dortmund, um antifaschistischen Protest auf die Straße zu tragen. In Frankfurt nahmen wir gemeinsam an vielen anderen Protesten teil und organisierten mit anderen eine Blockade gegen den Aufmarsch türkischer Faschist*innen.

 

Wer macht alles bei euch mit? Und wie kann man bei euch mitmachen?

Sozan: Verschiedene politische Gruppen, Bezugsgruppen und Einzelpersonen aus Frankfurt, Offenbach, Hanau und dem Taunuskreis sind bereits in AUF organisiert. Auf den offenen Treffen sind auch regelmäßig Genoss*innen aus Mainz, Wiesbaden, Darmstadt etc., die sich mit uns vernetzen. Wenn Interessierte auf den offenen Treffen oder über andere Kanäle an uns herantreten, wird gemeinsam im Plenum entschieden, wie damit verfahren wird.

 

Was ist das Verhältnis von AUF zu den offenen Treffen? Seid ihr da nur Organisator*innen oder nehmt ihr alle selbst an den Treffen teil?

Sozan: Wir organisieren die Treffen zwar, aber wir versuchen immer mit möglichst vielen Leuten auch dort zu sein, um den Prozess mitzugestalten. Wir wollen nicht die Rolle eines „Koordinierungskreises“ übernehmen, welcher über andere hinweg entscheidet, sondern jeder und jede soll sich aktiv auf den offenen Treffen einbringen können. Wir probieren gerade etwas mit Arbeitskreisen herum, die sich aus den offenen Treffen ergeben und dann soll dort auch weiter selbstständig gearbeitet werden.

 

Und was ist euer Verhältnis zu Parteien und anderen Jugendverbänden? Sucht ihr den Kontakt zu anderen Bündnissen?

Sozan: Es gibt hier in der Region eine verankerte und vergleichsweise starke, selbstbewusst auftretende radikale Linke – und genau das wollen wir auch weiter ausbauen. Im Zuge der aktuellen politischen wie gesellschaftlichen Entwicklungen sehen wir auch wenig Gründe, mit Parlamentsparteien zu arbeiten. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel und im Umland sieht das Ganze vielleicht auch wieder anders aus. Bundesweit gibt es aber natürlich immer wieder Initiativen, denen wir uns gerne anschließen – so haben wir im Zuge der Proteste gegen den „Tag der deutschen Zukunft“ in Dortmund einen Bus organisiert und uns positiv mit Aktionen auf die Kampagne „Nationalismus ist keine Alternative“ bezogen. Die diversen Kampagnen zur Unterstützung der kämpfenden Kurd*innen genießen natürlich unseren Support. Auch in Zukunft sind wir offen für Bündnisse mit allen emanzipatorischen Partner*innen!

Vielen Dank fürs Interview!

 

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